Auch Tiere können denken

Die Vorstellung, dass nur wir Menschen denken können, ist sehr verbreitet. Die wissenschaftliche Forschung hat sich aber in den letzten Jahren intensiv mit den Denkleistungen von Tieren beschäftigt und ist da zu erstaunlichen Ergebnissen gekommen.

Die Gedächtnisleistung von Schafen beispielsweise ist schon bemerkenswert. Sie können sich 50 Gesichter von Ihresgleichen merken und sich sogar ungefähr an 10 menschliche Gesichter über viele Jahre erinnern. Dies ist aber natürlich noch kein Beweis für einen Denkprozess. Das setzt sicher den gezielten Einsatz einer komplexen Sprache voraus.  Forscher des Max-Planck-Instituts haben z.B. bei Hunden festgestellt, dass diese eine angeborene Sprachbegabung besitzen und diese durch Lernprozesse genutzt werden kann. Danach konnte ein Hund beispielsweise über 120 Spielzeuge auseinanderhalten und diese nach Zeigen des entsprechenden Bildes suchen. Ein Border-Collie hatte sogar einen “Wortschatz” von 340 Wörtern erworben. Primaten wie die Bonobos können sogar einige tausend Wörter verstehen, wenn sie diese gelernt haben. Da können so manche Menschen nicht mithalten. Auch Graupapageien können Sprachen lernen und sie kreativ einsetzen (sie Plappern also nicht nur einfach alles nach) und sogar zählen und Dinge nach Farben und Formen einteilen.

Bei Buschhähern, die zu den Rabenvögeln zählen, konnte ein Verhalten beobachtet werden, das auch Denkvorgänge zur Täuschung anderer Artgenossen voraussetzt. Wenn ein Buschhäher z.B. merkt, dass er beim Verstecken von Nahrung beobachtet wurde, dann wartet er solange, bis er nicht mehr beobachtet wird und versteckt seine Nahrung woanders. Eine besondere Denkleistung ist sicher die Selbstwahrnehmung über einen Spiegel. Bislang hatte man diese Fähigkeit nur bei Affen und Delfinen beobachtet. Aber auch Elefanten sind dazu in der Lage (vielleicht hatte man dies bisher übersehen, weil die Spiegel zu klein waren …). Sehr intelligent scheinen auch Tintenfische zu sein, die sich z.B. auch in ihren Persönlichkeiten stark voneinander unterscheiden (Quelle: National Geographic März 2008, Seite 45ff).

Für Menschen, die mit Haustieren wie Hunden und Katzen zusammenleben, sind diese Erkenntnisse unserer Naturwissenschaft eigentlich nichts Überraschendes. Wir haben z.B. drei Katzen mit ausgeprägten Persönlichkeiten. Diese kommunizieren auf ihre Art gezielt mit uns. Aber ein Unterschied zum Menschen fällt dabei doch besonders auf: Ihre Wünsche verändern sich fast nicht. Sie sind  – im Unterschied zu unserer Kindern - verhältnismäßig leicht zufrieden zu stellen und haben feste Gewohnheiten. Das Besondere am Menschen scheint also nicht die Fähigkeit zum Kommunizieren und Denken zu sein. Das Besondere des Menschen ist sicher der Drang, permanent über sich hinauswachsen zu wollen und Grenzen aller Art zu überschreiten. Offensichtlich sind wir die einzigen, die “vom Baum der Erkenntnis” genascht haben (um die Bibel zu zitieren). Wir müssen jetzt immer weiter Neues erforschen und entwickeln. Wenn wir unsere Bedürfnisse befriedigt haben, dann entstehen laufend neue. Wir sind offenbar die einzige Spezies auf dieser Erde, die auf grenzenloses Wachstum programmiert ist. Damit ist uns ein “Paradies auf Erden” nicht vergönnt. Selbstgenügsames Spielen wie bei erwachsenen Delfinen - mit der damit verbundenen Lebensfreude - findet man bei erwachsenen Menschen normalerweise nicht. Die Frage die sich dabei stellt: Ist der Mensch ein Fehler der Natur oder hat dieses Verhalten einen noch unbekannten Sinn?

Schmetterling erinnert sich an Raupendasein

Forscher haben herausgefunden, dass sich Schmetterlinge an ihr früheres Raupenleben teilweise erinnern können. Die Metamorphose der Schmetterlinge ist ein echtes Wunder und hat mich schon immer fasziniert. Aus der Raupe wird eine Puppe und aus dieser wiederum entsteht der Schmetterling. Auch wenn sich der Körper der Insekten grundsätzlich verwandelt, so geht die Erinnerung an die Zeit als Raupe offenbar nicht verloren. Dies haben Douglas Blackiston und seine Kolleginnen von der Georgetown University in Washington festgestellt, als sie Tabakschwärmer (Manduca sexta) untersuchten.

Dies ist besonders erstaunlich, da während der Veränderung von der Larve zum ausgewachsenen Schmetterling der gesamte Körper geradezu in Einzelteile zerlegt und neu zusammengesetzt wird. Tabakschwärmer durchlaufen sogar fünf Raupenstadien. Für das Experiment wurden Raupen in den letzten drei Stadien einem Geruchstraining unterzogen: Die Forscher setzten sie in einen Apparat und boten zwei Ausgänge an, wobei der eine mit reiner Luft gefüllt, der andere dagegen stark mit einem nach Klebstoff riechenden Lösungsmittel gesättigt war. Da Tabakschwärmer keine natürliche Abneigung gegen den Geruch haben, legten die Forscher an den zweiten Weg zusätzlich Strom an, um den Tieren bei Betreten der Röhre einen leichten Stromschlag zu versetzen.

Bei weiteren Versuchen mieden die Raupen diesen Weg. Nach der Verpuppung zum Schmetterling unterzogen die Wissenschaftler die Tiere dem gleichen Test und entdeckten, dass diese den Geruch des Lösungsmittels auch jetzt noch mieden, allerdings nur dann, wenn sie im fünften Larvenstadium trainiert worden waren. Die jüngeren Larven hatten die Konditionierung offenbar vergessen.  Unklar ist noch, wo die Information gespeichert wird, da sich auch das Gehirn stark verändert. Die Forscher vermuten, dass noch alte Gehirnzellen übrigbleiben. Vielleicht ist dieser Vorgang aber auch ein Indiz für die Existenz einer materielosen „Seele“, in der Informationen wie in einer Matrix gespeichert sind. Ein vergleichbares Phänomen findet man bei den Hydromedusen, die sich in einzelne Lebewesen zerlegen können und auch wieder als neues Tier zusammenwachsen.

Delfin Moko rettete zwei Wale

Zwei Zwergpottwale, eine Mutter und ihr Kalb, strandeten einmal in Mahia Beach auf Neuseeland. Mehrere Umweltaktivisten versuchten eine Stunde lang vergeblich, den Tieren den Weg zurück ins Meer zu weisen. Die Wale strandeten immer wieder auf einer Sandbank und wären vermutlich gestorben, wenn sich nicht ein ortskundiger Delfin (von den Anwohnern liebevoll “Moko” genannt) um die beiden Wale gekümmert hätte. Er schwamm zu den Walen und führte sie 200 Meter parallel vom Strand zu einem Kanal, der ins offene Meer führte. Der Große Tümmler ist in der Region dafür bekannt, dass er gerne in der Nähe des Strandes mit Menschen schwimmt und oft mit Kindern spielt. Auch nach seiner Rettungsaktion kehrte Moko dorthin zurück und ließ sich für seine Tat bewundern.

Eine artübergreifende Fürsorge dieser Art ist in der Natur höchst selten und eigentlich nur in sogenannten Symbiosen feststellbar, in denen verschiedene Arten sich gegenseitig nützlich machen. Die Tat von Moko passierte offenbar aus echter Selbstlosigkeit und widerspricht dem Grundgedanken der Theorie Darwins. Da können wir Menschen nur staunen …